Über uns – Soma Ritualis

Wir sind ein Weg, der sich selbst erinnert.

Ein Pfad, der dort beginnt, wo der Mensch aufhört, einfach nur zu funktionieren, und stattdessen wieder zu fühlen beginnt.

Wir sind fünf Menschen, die viel Zeit an jenem Ort verbringen, an dem Worte leiser werden: im Wald, zwischen feuchter Erde, duftendem Harz, dem sanften Wind und dem leisen Puls der Natur. Dort haben wir gelernt, dass die Welt keineswegs stumm ist.

Sie spricht, doch ihre Worte sprechen nicht die Sprache des Verstandes.

Pilze, Kräuter, Bäume – sie lehren nicht durch Worte, sondern durch Wandel. Besonders die Pilze bergen eine besondere Tiefe für uns. Sie gedeihen im Verborgenen, an der Schwelle zwischen Leben und Vergehen. Dort, wo Materie sich verwandelt, wo aus dem Zerfall neue Ordnung entsteht. Für uns sind sie keine bloßen Gegenstände. Vielmehr sind sie Brückenbauer, die Verbindung schaffen zwischen Dem, was sichtbar ist, und dem, was verborgen bleibt.

Zwischen Körper und Bewusstsein liegt ein feiner Schleier, der das verbindet, was du zu sein glaubst, mit dem, was tief in deinem Inneren noch schlummert. Die Fliegenpilze, mit denen wir arbeiten, tragen eine uralte Signatur in sich. Sie sind Archetypen des Übergangs: der Wächter, der Hüter der Schwelle, der Spiegel. Sie führen nicht nach außen, sondern weisen den Weg nach innen — genau dort beginnt die schamanische Praxis. Sie ist kein Ritual, das man nur korrekt ausführt, sondern ein Zustand, in dem du erneut in Beziehung trittst.

Mit sich selbst, mit dem Raum, mit den Kräften, die stets präsent sind. Neben den Pilzen begleiten uns auch Pflanzen. Wermut, wild gesammelt, bitter und klar. Kräuter, die nicht gefügig sind, sondern ordnen. Aus ihnen formen sich Gestalten – manchmal Sterne aus Wermut, von Hand gebunden, langsam, bedacht, fast meditativ. Alles, was wir tun, entsteht nicht aus Eile, sondern aus voller Präsenz. Und dann ist da das Feuer. Für uns ist Feuer kein Symbol.

 

 

Es ist ein lebendiger Vorgang. Sobald eine Kerze entzündet wird, erwacht etwas, das älter ist als jede Sprache. Die Flamme tanzt, atmet und verändert sich beständig – und doch bleibt sie sich selbst treu. Sie nimmt Materie auf und verwandelt sie. Wachs wird zu Licht. Form wird zu Energie. Substanz wird zu etwas, das den Raum erfüllt und durchdringt. Das ist Alchemie. Und wenn ein Mensch beginnt, diese Flamme wirklich zu betrachten, dann verlangsamt sich etwas. Die Gedanken verlieren ihre Schwere.

Der Körper beginnt sich zu entspannen. Der innere Druck löst sich ganz von selbst, ohne dass man aktiv eingreifen muss. Es ist keine Technik. Es ist kein bewusster Versuch. Es ist eine stille Meditation, getragen von Licht. Am späten Abend, wenn die Welt draußen zur Ruhe kommt und der Raum sich in warmem, lebendigem Glanz hüllt, entfaltet sich eine besondere Stimmung. Die Flamme erleuchtet nicht einfach nur die Wände. Sie berührt etwas Tiefes im Innern. Ihre Wärme verweilt nicht bloß auf der Haut. Sie scheint noch weiter, tiefer hinein zu dringen.

 

Als würde tief im Zentrum des Menschen ein winziger Funke erwachen. Ein zartes Aufleuchten. Ein vertrautes Erwachen. Und genau da entfaltet sich die Verwandlung. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern in jener kaum spürbaren Verschiebung, in der aus Anspannung Weite wächst, aus Unruhe Klarheit entsteht, aus Trennung Verbundenheit wird. So verstehen wir Schamanismus. Kein festes System. Keine starre Lehre. Sondern ein Erinnern. Ein Erinnern daran, dass der Mensch Teil eines größeren Ganzen ist. Dass Bewusstsein nicht geschaffen, sondern enthüllt wird. Durch Stille. Durch Präsenz. Durch das schlichte Sein. Wir schaffen Räume, in denen genau dies geschehen darf. Ohne Druck. Ohne Erwartungen. Allein durch das, was ist. Und wenn du eines Abends, nach einem langen Tag, eine Flamme entfachst und spürst, wie etwas in dir still wird, weich wird, klar wird — dann bist du schon auf diesem Weg. Nicht, weil du etwas gelernt hast, sondern weil du dich erinnerst.